Mit vollgepackten
Rucksäcken brach am 17. August eine bunte Gruppe aus 18 jungen Steinheimern und
Geflüchteten aus Irak, Afghanistan und Syrien zu ihrer Bergtour in die Allgäuer
Alpen auf. – Auf der Rückfahrt zwei Tage später hatten sie noch unendlich
viel mehr im Gepäck: Berge voller positiver Erinnerungen und Erfahrungen, Mut
und Zuversicht, Motivation,
Vertrauen und neue Freundschaften.

Vor dem Aufstieg zur
ersten Station, der Kemptner Hütte, klärte Myriam
Kopp, die Initiatorin des Projekts, über Verhaltensregeln und
Sicherheitsgefahren in den Bergen auf.
Dann nahm man voller
Euphorie die 850 Höhenmeter in Angriff – für unerfahrene Bergwanderer alles
andere als ein Spaziergang. Beim Abendessen in der Hütte waren die Strapazen rasch
vergessen. Doch die Speisekarte gab Rätsel auf: Was bitte sind Schlutzkrapfen
und Leberkäs?

Bereits um 6 Uhr am
nächsten Tag stand eine fröhliche Gruppe in ihren Wanderstiefeln bereit für die
Besteigung des Großen Krottenkopfs, des höchsten
Bergs der Allgäuer Alpen. Ausgesetzte Stellen, viel Geröll und Kletterei – für
Ungeübte ein hartes Stück Arbeit. Würden es alle schaffen? Obwohl
es gleich steil bergauf Richtung Mädelejoch ging, waren alle bester Laune, es
wurde viel gelacht und eine Gruppe Gämsen sorgte für Begeisterung.

Der steile, geröllige
Anstieg zur Krottenkopfscharte erfordert körperliche Fitness, Trittsicherheit
und Schwindelfreiheit, weshalb drei Teilnehmer mit einem Betreuer zur Kemptner
Hütte zurückgingen. Die übrige Gruppe kletterte auf Händen und Füßen an Eisenbügeln weiter aufwärts, immer
ein stärkerer mit einem schwächeren Teilnehmer, um sich gegenseitig zu helfen –
ganz egal, ob Mann oder Frau, Steinheimer oder Geflüchteter.
Die Aussicht von der Scharte war
überwältigend. Doch beim Blick hinauf zum Großen Krottenkopf kamen dem ein oder
anderen Gipfelstürmer dann doch Bedenken: „Gehen
wir da wirklich hoch? Man sieht ja überhaupt keinen Weg!“ Konzentriert kletterte
man weiter, hangelte sich einen schmalen Grat entlang – und stand schließlich
auf
dem Gipfel in 2656 Meter Höhe.

Es war ein erhabener
Augenblick – pures Gipfelglück. Ehrfürchtig trugen sich die Teilnehmer ins
Gipfelbuch ein und legten den mitgebrachten Gipfelglück-Stein am Kreuz ab. Der
Abstieg war mindestens so beschwerlich wie der Aufstieg. Myriam Kopp: „Keiner
rutschte aus, keiner fiel hin, keiner bekam einen Stein ab und mir fiel ein
Stein vom Herzen. Ich hatte stellenweise schon Angst und war ziemlich
angespannt. Schließlich hatte ich für die Gruppe Verantwortung.“

Am nächsten Morgen marschierte
man von der Hütte zurück zum Bahnhof Oberstdorf. Ein Teilnehmer trug kurz
entschlossen zwei Rucksäcke, weil eine junge Frau sich eine Oberschenkelzerrung
zugezogen und starke Schmerzen hatte. „So viel Fürsorge und ein so tolles
Miteinander habe ich selten gesehen. Die besonders Ängstlichen
liefen weite Strecken Hand in Hand. Jeder achtete auf den anderen, an
jeder schwierigen Stelle half man einander“, so Myriam Kopp.

Für die
Multikulti-Wandertruppe ging eine Tour zu Ende, auf der sich alle blendend
verstanden und jede Menge Spaß miteinander hatten. „Ich habe in meinem ganzen
Leben noch nie so viel gelacht“ und „Wir sind alle wie eine große Familie“, so
die Resümees zweier Teilnehmer.

Die Kosten des Projekts,
wie Fahrtkosten, Verpflegung und Übernachtung, wurden durch das Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft getragen. Eine Investition, die sich
ausgezahlt hat – für Integration und mehr Verständnis zwischen Einheimischen
und Geflüchteten.

Weitere Infos zur Tour auf www.puls-der-freiheit.de

Autorin: Angelika
Lenz